Selbstverständnis

Hier findet ihr unser Selbstverständnis. Darin möchten wir festhalten, was wir sind (oder sein wollen) und wie wir uns das Zusammenleben im Haus vorstellen. Da dieser Prozess ständigen Veränderungen und neuen Selbstreflektionen unterliegt, wird sich auch das Verständnis unseres Wirkens laufend verändern. 

1. Struktur
  • Wir sind eine Hausgruppe, die sich seit 2022 zusammengefunden hat, mit dem Gedanken gemeinschaftliches Leben und Gemeinwesenarbeit zu verbinden. Alle Menschen, die in dem Haus wohnen, bilden zusammen den Mosaik-Haus SOE e.V.. Dieser soll in Zukunft Teil des Mietshäuser Syndikats werden. Bis zum angestrebten Beteiligungsbeschluss sind wir als Initiative “Mosaik-Haus” Mitglied im Syndikat.
  • Einen Teil der Räume des Hauses möchten wir auch anderen Menschen zur Verfügung stellen. Wenn ihr dies gerne nutzen möchtet, schickt uns gern eine Anfrage.
  • Mit unserem noch zu gründenden Kulturverein wollen wir auch über das Zusammenleben hinaus wirksam werden. Wir möchten unterschiedliche Projekte und Angebote verwirklichen – für Jung und Alt und alle die dazwischen sind. Der Kulturverein ist offen für alle Menschen, die unsere Werte teilen und sich vor Ort engagieren möchten, aber nicht zwangsläufig mit im Haus wohnen.
2. Ziele
  • Das Haus wird Gemeineigentum. Im Gegensatz zum Privateigentum wird das Haus somit dem Immobilienmarkt als Spekulationsobjekt entzogen. So bleiben die Mieten langfristig konstant. Damit wird das Recht auf bezahlbaren Wohnraum gestärkt. Zudem sind wir nicht von profitorientierten Vermieter*innen abhängig. Stattdessen kann der Wohnraum und das Zusammenleben von den Hausbewohner*innen selbstbestimmt gestaltet werden.
  • Wir wollen diesen Ort gemeinsam beleben und uns gegenseitig unterstützen. Entgegen einer Tendenz zur Vereinzelung in der Gesellschaft, ist es uns wichtig, ein solidarisches Miteinander zu leben.
  • Einer der größten Vorzüge des Hauses ist sicherlich seine wunderschöne natürliche Umgebung in der Sächsischen Schweiz. Wir haben uns bewusst für diesen Ort entschieden, weil wir gerne Wandern, Bouldern, Klettern und auch sonst viel Zeit in der Natur verbringen. Während unserer Kindheit im ländlichen Raum haben wir uns mehr Angebote gewünscht, in denen wir Selbstwirksamkeit hätten erfahren können. Dieses Haus soll für uns ein solcher Ort sein. Außerdem stellt es als Raum eine Ressource dar, die wir mit Menschen teilen können und wollen.
3. Werte
  • Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der alle Menschen ihr Leben nach ihren Bedürfnissen gestalten können, ohne dabei diese Freiheit bei anderen einzuschränken. Wir wünschen uns, dass Menschen selbstreflektiert und achtsam in Bezug auf sich, ihre Umwelt und ihre Mitmenschen leben, sodass Formen der Unterdrückung und Diskriminierung sowie Ungleichheitsverhältnissen entgegengewirkt wird. In dieser Gesellschaft stehen nicht der Markt oder das Kapital und die zugrundeliegende Tauschlogik (“ich bekomme nur, wenn ich geben kann”) im Mittelpunkt. Stattdessen sollen alle Menschen mit all ihren angeborenen und erworbenen Eigenschaften und Merkmalen die Gesellschaft gleichberechtigt mitgestalten können. In dieser herrschaftsfreien Gesellschaft leben wir selbstbestimmt und solidarisch zusammen. Wertschätzung beruht dabei nicht auf Leistung.
  • Wir versuchen diese Gesellschaft in dem Haus gemeinsam mit den darin wohnenden und agierenden Menschen zu leben. Deshalb sollen bei uns keine diskriminierenden Äußerungen, Handlungen oder Veranstaltungen stattfinden. Wir behalten uns vor, in diesem Fall von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen.
  • Auch innerhalb der Hausgruppe sind wir bemüht, eigene verinnerlichte Diskriminierungsformen zu reflektieren und diesen entgegenzuwirken. Um dies zu erreichen, nehmen wir uns Zeit für Weiterbildungen, Prozesse der Selbst- und Gruppenreflexion sowie einen offenen Umgang mit Kritik.
4. Umgang mit Konflikten
  • Wir versuchen alle aufeinander zu achten und Verantwortung für ein sensibles und empathisches Miteinander zu übernehmen. Wir sind uns bewusst, dass Konflikte normaler Bestandteil des Zusammenlebens und – arbeitens sind und bemühen uns um einen konstruktiven Umgang mit diesen. Dafür haben wir ein Konzept zum Umgang mit Konflikten erarbeitet, welches im Zusammenleben regelmäßig überarbeitet und erweitert werden kann.
  • Durch stetige offene Kommunikation versuchen wir, der Verfestigung von Konflikten vorzubeugen. Unser Ziel ist es, vorhandene Konflikte möglichst frühzeitig anzusprechen, transparent mit diesen umzugehen und herauszufinden, welche eigentlichen Bedürfnisse den Konflikten zugrunde liegen.
  • In regelmäßigen Plena werden Themen des Zusammenlebens diskutiert und Entscheidungen im Konsens getroffen. So sollen die Bedürfnisse aller Beteiligten Raum und Beachtung finden. Dies gilt auch für Menschen außerhalb der Hausgruppe. Wir sind offen für Kritik und möchten uns in Konflikten mit externen Parteien gemeinsam um Lösungen bemühen. Neben den wöchentlichen Orga-Plenas haben Themen des emotionalen Befindens und des Miteinanders einen festen Platz im monatlichen Sozialplenum.
  • Wir haben interne Strategien und Methoden der Konfliktlösung erarbeitet. Falls wir Konflikte nicht innerhalb der Hausgruppe lösen können, holen wir uns externe Unterstützung.
5. Zugang & Barrierefreiheit
  • In unserer Gesellschaft werden Menschen aufgrund unterschiedlicher sichtbarer und unsichtbarer Barrieren aus Räumen ausgeschlossen. Wir möchten unser Haus möglichst zugänglich für alle Menschen gestalten. Dafür müssen verschiedene Diskriminierungsformen wahrgenommen, reflektiert und abgebaut werden, um diese nicht zu reproduzieren.
  • Wir sind uns bewusst, dass sowohl wir als Gruppe, als auch das Gebäude in verschiedenen Bereichen Ausschlüsse produzieren. Wir bemühen uns, dies nach und nach soweit wie möglich abzubauen und freuen uns über Anregungen, Kritik und Vorschläge.
6. Umweltschutz & Klimagerechtigkeit
  • Vor dem Hintergrund des durch den Menschen verstärkten Klimawandels und der Naturzerstörung legen wir im Mosaik Haus einen besonderen Fokus auf unsere Umwelt und die Natur vor Ort. Bei baulichen Maßnahmen bemühen wir uns darum, nachhaltige Rohstoffe zu verwenden. Zudem wollen wir wenn möglich auf erneuerbare Energiequellen zurückgreifen.
  • Den Garten möchten wir naturnah gestalten. Darüber hinaus gehen wir achtsam mit den uns umgebenden Naturräumen um und wünschen uns dies auch von unseren Besucher*innen.
  • Außerdem bemühen wir uns um reflektierte Konsumentscheidungen. Wenn möglich unterstützen wir kollektiv und nachhaltig organisierte Betriebe und Projekte. Wir leben größtenteils vegan. Dazu gehört auch, dass wir in dem Hausprojekt keine “Nutztiere” halten. Wir sehen Lebewesen nicht als Ware. Deswegen schließen wir den Erwerb von sogenannten “Haustieren” von gewinnorientierten Stellen im Regelfall aus.
  • Gleichzeitig ist uns eine intersektionale Perspektive wichtig. Das bedeutet, dass verschiedene Formen der Diskriminierung zusammen wirken. Beispielsweise haben nicht alle Menschen die finanziellen Möglichkeiten sozial und ökologisch nachhaltige Produkte zu kaufen. Statt bei der Kritik am Konsumverhalten einzelner Menschen stehen zu bleiben, möchten wir auch systemische und strukturelle Hintergründe in den Blick nehmen.
7. Entscheidungsfindung
  • Entscheidungen werden in regelmäßigen Plena diskutiert und im Konsens getroffen. So werden die Bedürfnisse und Meinungen aller Beteiligten gleichberechtigt einbezogen.
  • Es wird nicht versucht, eigene Interessen in Konkurrenz zueinander durchzusetzen. Stattdessen werden Lösungen gesucht, die alle Beteiligten mittragen können. Auch hier bemühen wir uns um Reflexion der Gruppendynamiken, um Hierarchien entgegenzuwirken.
  • Die Ergebnisse unserer Auseinandersetzung mit dem Thema haben wir in unserem Konzept zur Entscheidungsfindung festgehalten.
  • Die Plena der Hausgruppe finden wöchentlich statt. Auf 3 Orga-Plena folgt ein Sozial-Plenum. Die Ergebnisse der Plena werden in Protokollen festgehalten.
  • Zudem können bestimmte Themenbereiche je nach Bereich in Arbeitsgruppen (AGs) ausgelagert werden.
8. Finanzen
  • Wir möchten im Haus auch finanzielle Ungleichheiten ausgleichen. Wie – das erarbeiten wir aktuell noch.
  • Wir verpflichten uns dazu, in Zukunft den Solibeitrag an das Mietshäusersyndikat zu zahlen, sobald der Beteiligungsbeschluss gefasst wurde. Dadurch sollen andere Projekte unterstützt und die Kosten des Syndikats gedeckt werden.
  • Da wir nicht das nötige Eigenkapital besitzen, sind wir auf die finanzielle Unterstützung durch Nachrangdarlehen und Spenden angewiesen. Um keine Hierarchien und Abhängigkeiten innerhalb der Hausgruppe zu schaffen, werden durch die Hausmitglieder in der Regel keine Nachrangdarlehen an das eigene Hausprojekt gegeben.
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